Infineon automatisiert Halbleiter-Tests mit KI

Nominiert für den AI Impact Award 2026 in der Kategorie Produktion und Lieferkette

Adrian Schmitt Infineon AI Impact Award Interview
30.03.2026 | Artikel

Der AI Impact Award von manager magazin und Porsche Consulting zeichnet Unternehmen aus, die Künstliche Intelligenz erfolgreich und wirksam in der Praxis einsetzen. Der Award macht Anwendungen sichtbar, die echten wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Mehrwert schaffen.

Infineon ist für den AI Impact Award 2026 nominiert in der Kategorie Produktion und Lieferkette. In dieser werden Lösungen ausgezeichnet, die Prozesse entlang Produktion, Logistik oder Supply Chain effizienter, sicherer oder nachhaltiger gestalten. Im Kurzinterview erläutert Adrian Schmid, Senior Manager Digital Engineering & Customer Solutions in der Infineon‑Division Power & Sensor Systems, vor welchen Herausforderungen das Team stand, wie der KI-gestützte Ansatz entwickelt wurde, welche Ergebnisse heute sichtbar sind – und wie Infineon damit die Digitalisierung in der Chipentwicklung und -fertigung konsequent vorantreibt.

 

Herr Schmid, was sind die größten fachlichen und organisatorischen Hürden bei der Erstellung komplexer Halbleiter-Testprogramme?

Die Erstellung von Testprogrammen für Halbleiter ist ein hochkomplexer und zeitintensiver Prozess. Testingenieurinnen und -ingenieure müssen große Mengen an Spezifikationen, Dokumentation und testspezifischen Details berücksichtigen – oft über mehrere Testplattformen hinweg. Das führt zu langen Entwicklungszyklen, einem zu starken Expertenfokus und begrenzter Wiederverwendbarkeit bereits erstellter Testprogramme. Gleichzeitig steigen Produktkomplexität und Zeitdruck. Organisatorisch erschwert die Vielzahl an Teams, Tools und Abläufen eine einheitliche Standardisierung. Dadurch entsteht ein Prozess, der entscheidend für die Qualität und Markteinführungszeit ist, aber zugleich ein struktureller Engpass bleibt. Als Halbleiterhersteller mit hohen Anforderungen an Qualität und Zuverlässigkeit ist Test-Engineering ein zentraler Hebel, um robuste Produkte bei gleichzeitig schneller Markteinführung zu ermöglichen.

Ein Operator bestückt die Frontend Testanlage mit einem Loadboard bei Infineon

Ein Operator bestückt die Frontend Testanlage mit einem Loadboard – an diesem Punkt werden Infineons KI Testprogramme erstmals auf physische Halbleiterchips angewendet.

Ein Operator bestückt die Frontend Testanlage mit einem Loadboard bei Infineon
Ein Operator bestückt die Frontend Testanlage mit einem Loadboard – an diesem Punkt werden Infineons KI Testprogramme erstmals auf physische Halbleiterchips angewendet.

Wie sind Sie beim Aufbau von „GenAI for Test Engineering“ konkret vorgegangen? Welche Rolle spielte das Zusammenspiel zwischen generativer KI und menschlicher Expertise im Entwicklungsprozess?

Wir haben früh auf einen iterativen, anwendungsnahen Entwicklungsansatz gesetzt. Ausgangspunkt war ein klares Zielbild: Testingenieurinnen und -ingenieure sollen aus strukturierten Spezifikationen automatisch einen initialen, funktionsfähigen Testcode generieren können. Dafür haben wir im engen Austausch mit Fachexpertinnen und -experten ein leichtgewichtiges Programmskelett definiert, relevante Dokumentation eingebunden und die Lösung in bestehende Entwicklungsumgebungen integriert. Die generative KI erzeugt den ersten Codeentwurf – die fachliche Validierung und Optimierung erfolgt bewusst durch unsere Testexperten. Dieses sogenannte „Human-in-the-Loop“-Prinzip stellt sicher, dass die Ergebnisse nachvollziehbar, robust und produktionsreif sind. Das Zusammenspiel aus KI-Automatisierung und menschlicher Expertise macht die Lösung praxistauglich, skalierbar und standardisierbar und ermöglicht eine nahtlose Integration in bestehende Workflows und Toolchains.

 

Welche messbaren Effekte hat die automatisierte Testcode-Generierung bereits erzielt, etwa hinsichtlich Entwicklungszeit, Qualität oder Wiederverwendbarkeit?

Die bisherigen Ergebnisse zeigen einen deutlichen Effizienzgewinn: Für die Erstellung initialer Testmodule reduziert sich der manuelle Aufwand um 20 bis 50 Prozent, je nach Produktgruppe. Einzelne Testmodule – die Bausteine des Testprogramms – können so innerhalb weniger Minuten statt zuvor mehreren Stunden erstellt werden. Gleichzeitig führt der KI-gestützte Ansatz zu einem besser strukturierten und konsistenteren Code, was die Wiederverwendbarkeit erhöht und spätere Optimierungszyklen erleichtert. Durch die höhere Standardisierung verbessern sich zudem Nachvollziehbarkeit und Wartbarkeit – wichtige Faktoren für langfristige Qualität und stabile Produktionsprozesse. Die Lösung schafft auch die Grundlage für zukünftige Verbesserungen, wie etwa die datengetriebene Optimierung von Testabläufen. Bereits heute ermöglicht „GenAI for Test Engineering” eine messbare Beschleunigung und Qualitätsgewinne im gesamten Entwicklungsprozess.

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