Können Sie das etwas genauer erläutern?
Von Anfang an haben wir uns die Frage gestellt: Was ist für BRP der richtige Weg zur Elektrifizierung? Es gibt bestimmte Anwendungsbereiche, in denen elektrische Antriebe einfach die ideale Lösung sind, zum Beispiel im urbanen Umfeld oder im Bereich der leichten Mobilität. Im Powersports-Segment dagegen dreht sich alles um Gewicht und Fahrdynamik. Wenn ein Fahrzeug beschleunigen, bremsen oder sogar fliegen soll, wird das Gewicht zu einem entscheidenden Faktor. Und wir sprechen hier nicht über SUVs mit Platz für große Batterieplattformen, sondern über kleine Fahrzeuge, bei denen die Gewichtsverteilung äußerst sensibel ist. Das heißt, man muss kluge Entscheidungen treffen – wo ein Elektroantrieb die richtige Lösung ist und wo Verbrennungsmotoren oder hybride Konzepte sinnvoller sind. Für uns sind insbesondere Hybrid- und Range-Extender-Lösungen sehr interessant, weil sie die Vorteile der Elektromobilität mit der Reichweite verbinden, die wir für viele Anwendungen benötigen.
Die Herausforderung liegt in der Komplexität und im Gewicht. Das gilt besonders für Fahrzeuge wie Schneemobile, deren Effizienz aufgrund der geringen Traktion auf Schnee begrenzt ist. Heute gleichen wir das durch leichte und gleichzeitig leistungsstarke Verbrennungsmotoren aus. Mit elektrischem Antrieb stößt man dagegen schnell an Grenzen bei Größe, Gewicht und Infrastruktur. Für bestimmte Einsatzszenarien, etwa in abgelegenen Regionen, ist Elektromobilität daher derzeit noch keine Lösung. Für andere Anwendungen kann sie jedoch ideal sein: keine Emissionen, keine Abwärme, kein Lärm.
Letztlich bleiben wir technologieoffen. Jede Anwendung erfordert ein exakt darauf abgestimmtes Antriebssystem. Unser Ansatz besteht darin, die notwendigen Kompetenzen aufzubauen, Lösungen im Markt zu erproben und sie dann zu skalieren, sobald die Nachfrage vorhanden ist.
Fasziniert Sie die Elektromobilität mit ihren schnellen Innovationszyklen?
Ich würde der Aussage widersprechen, dass die Innovationsschritte bei elektrischen Antrieben grundsätzlich schneller sind. Auch bei Verbrennungsmotoren hat es in den vergangenen Jahrzehnten enorme Fortschritte gegeben. Faszinierend sind jedoch die neuen Möglichkeiten, die Elektromotoren aus der Design-Perspektive eröffnen. Wenn man nicht mehr nur einen zentralen Antrieb hat, sondern mehrere Elektromotoren einsetzen und über Torque Vectoring die Antriebskraft gezielt steuern kann, entstehen völlig neue Möglichkeiten für die Fahrdynamik. In unserem Geschäft kaufen die Kunden unsere Produkte nicht, weil sie es müssen. Sie kaufen sie wegen des Erlebnisses.
Sie verfügen über viel Erfahrung in der Automobilindustrie. Wie unterscheidet sich die Fahrzeugproduktion bei BRP von der in großen Automobilkonzernen?
Der Unterschied ist enorm. In einem kleineren Unternehmen trägt man Verantwortung für das gesamte Produkt, von der ersten Idee bis zum fertigen Ergebnis. Genau das macht mir besonders viel Freude. Außerdem gibt es bei uns deutlich weniger interne Regularien, als man sie häufig in großen Konzernen erlebt. Der Einsatz, den man investiert, schlägt sich viel unmittelbarer in den Ergebnissen nieder. Diese Effizienz kannte ich aus früheren Stationen so nicht. Gleichzeitig bleibt man demütig, weil das Feedback direkt kommt: Wenn wir etwas gut machen, zeigt sich das unmittelbar in der Unternehmensentwicklung. Und wenn wir Fehler machen, sehen wir die Auswirkungen ebenso sofort.