Dr. Dana Ruiter ist als Senior Consultant in einem interdisziplinären Team von KI-Expertinnen und -Experten bei Porsche Consulting tätig. Die promovierte Computerlinguistin ist spezialisiert auf die Bereiche Artificial Intelligence, Data Analytics und Natural Language Processing. Im Interview mit dem Porsche Consulting Magazin spricht sie darüber, für welche Anwendungsfälle sich KI-Agenten in Unternehmen eignen, wie der erfolgreiche Einsatz gelingt, welche Rolle eine exzellente Datenqualität dabei spielt – und wie die Managementberatung Porsche Consulting ihre Klienten auf diesem Weg begleitet.
Was sollten Unternehmen vorbereiten, bevor sie KI-Agenten einsetzen?
Dr. Dana Ruiter: Viele Unternehmen setzen auf KI-Agenten. Was man jedoch beachten muss: Nicht jeder Anwendungsfall ist mit einem KI-Agenten gut bedient. Es ist wichtig, vor der Implementierung zu klären, was wirklich gebraucht wird. Ein Beispiel: Wir hatten einen Klienten, der sein Vertriebsteam mit datengetriebenen Empfehlungen zum Upselling von Kunden ausstatten wollte. Dafür hatte sich der Klient einen KI-Agenten als Chatbot vorgestellt, den die Vertriebsmitarbeitenden nach Upselling-Potenzialen fragen können. Aber ist es hier nicht besser, die Potenziale in einem Vorhersagemodell vorzurechnen und dann automatisiert an den jeweiligen Vertriebsmitarbeiter zu schicken? Damit spart man sich das Frage-Antwort-Spiel und die Empfehlungen sind dank Vorhersagemodell auch qualitativ hochwertiger.
KI-Agenten sind immer dann sinnvoll, wenn aus einer Vielzahl von Dokumenten relevante Informationen identifiziert und nach bestimmten Regeln verarbeitet werden müssen. Außerdem gilt: Die Qualität eines KI-Agenten ist stark abhängig von der Qualität der Daten. Wenn also über den Einsatz eines Agenten entschieden wird, muss klar sein, welche Art von Daten benötigt werden. Diese müssen dann für den KI-Agenten zentralisiert abgelegt werden. Im besten Fall sollten die Daten vorher bereinigt werden, sodass nur noch aktuelle Daten mit gut gepflegten Metadaten vorliegen.
Reicht zum Start der punktuelle Einsatz von KI-Agenten für ausgewählte Aufgaben oder muss die gesamte Organisation von Anfang an umgestellt werden?
Beides! Wir verfolgen bei Porsche Consulting einen sogenannten „Broad and Deep“-Ansatz. Das bedeutet: Um KI-Agenten in Unternehmen effektiv einzusetzen, ist es sinnvoll, sowohl kleinere, punktuelle KI-Agenten auf Prozessebene als auch KI-Agenten für die breite Nutzung im Gesamtunternehmen umzusetzen.
Für die „Deep“-Agenten bedarf es einer sauberen Prozessbetrachtung. Nur so kann man verstehen, wo der KI-Agent den meisten Effizienzgewinn erbringen kann oder bei welchen Entscheidungen er sinnvoll unterstützen kann. Danach muss klar verstanden werden, welche Datentöpfe zur Implementierung des Agenten gebraucht werden – und wie die daraus gezogenen Informationen verarbeitet und dem Endnutzer zur Verfügung gestellt werden. Das lässt sich schnell umsetzen. Bei einem Klienten haben wir mehrere Deep-Agenten innerhalb weniger Wochen implementiert. Sie helfen unter anderem Customer-Success-Managern dabei, Kundengespräche vor- und nachzubereiten.
Für den „Broad“-Agenten sieht es dann schon kniffliger aus. Sein Ziel ist es, der breiten Belegschaft schnellen Zugriff auf relevante interne Daten zu geben. Bei einem Projekt haben wir einen Broad-Agenten implementiert, der nicht nur interne Informationen zur Verfügung stellt, sondern den Mitarbeitenden dabei hilft, E-Mails zu versenden, freie Terminslots zu identifizieren, Termine einzustellen und simple Analysen über Unternehmensdashboards durchzuführen. All dies erfordert viel Aufwand bei der Datenaufbereitung, Data Governance und Schulung von Mitarbeitenden im Umgang mit dem Tool. Solche Broad-Agenten sind komplex in der Implementierung und gehen mit einem hohen Investment einher. Sie sind jedoch ein wichtiger Pfeiler, wenn ein Unternehmen sich in Richtung „AI first“ entwickeln, sprich KI als Grundlage für sämtliche Prozesse und Entscheidungen etablieren möchte.