Als Managementberater von Porsche Consulting interessieren uns auch Ihr Engagement bei Industriekunden und natürlich Ihre Innovationen im Bereich Automobilindustrie. Welchen Beitrag leistet Henkel als Zulieferer?
Ja, bei Henkel denken die meisten Leute an unsere Waschmittel wie Persil, an Haarpflegeprodukte wie die Schwarzkopf-Serien oder unsere Pritt-Klebestifte, die schon die Jüngsten in Kindergarten oder Schulunterricht benutzen. Nicht ganz so viele kennen dagegen unsere Produkte und Lösungen für die Industrie. Bei Klebstoffen, Dichtungsmitteln und Oberflächenbehandlungen für industrielle Anwendungen sind wir global führend. Der Bereich macht die Hälfte unseres Geschäfts aus. Wir bedienen die unterschiedlichsten Industrien – ob Auto, Elektronik, Energie, Luft- und Raumfahrt, Bau, Textil oder Medizin. Unsere B2B-Kunden schätzen Henkel insbesondere für Qualität, fortschrittliche Forschung und nachhaltige Entwicklung.
Für die Automobilindustrie ist Henkel ein starker und sehr anerkannter Partner in der Transformation. Wir arbeiten mit allen Herstellern zusammen. Unsere Partnerschaften beginnen meist in einer ganz frühen Phase. So werden wir Teil der Innovationsgestaltung. Das ist wichtig. Denn: Wenn wir wirklich Einfluss nehmen wollen, müssen wir von Anfang an dabei sein. Klar, dann müssen wir natürlich auch Innovationen liefern. Und das machen wir auch. In der Automobilindustrie unterstützen wir beispielweise den energiesparenden Leichtbau von Karosserien mit Klebstofflösungen für das Verbinden von Teilen aus Carbonfaser. Besonders spannend sind aktuelle Entwicklungen im Bereich Batterien für Elektrofahrzeuge. Die wärmeleitfähigen Klebstoffe von Henkel sind für das Wärmemanagement der Batterie extrem wichtig. So tragen wir dazu bei, Überhitzungen zu verhindern und die Sicherheit zu verbessern.
Was mir persönlich besonders am Herzen liegt, sind die wiederlösbaren Klebstoffe. Traditionell sollen Klebstoffe verbinden und nichts anderes. Das war früher die Erwartung. Das hat sich mit den Anforderungen an eine möglichst geschlossene Kreislaufwirtschaft geändert. Heute ermöglichen unsere wiederlösbaren Klebstoffe, Komponenten für Reparaturen zu trennen, danach wiederzuverwenden oder für das effiziente Recycling unkompliziert in sortierte Bestandteile zu zerlegen. Das ist definitiv ein bedeutender Hebel für die Zukunft und ein wichtiger Beitrag zur Nachhaltigkeit – branchenübergreifend.
Wem fühlen Sie sich in puncto Nachhaltigkeit mehr verpflichtet – dem Finanzmarkt oder den Forderungen von NGOs?
Beiden fühlen wir uns verpflichtet. Und ich sage Ihnen, warum. Ich sehe die Erwartungen unserer Stakeholder eher komplementär. Der Finanzmarkt erwartet finanzielle Leistung und langfristige Wertschöpfung. Wer langfristigen Wert schaffen will, muss auch in einigen Jahren noch existieren und am Markt erfolgreich sein. Deshalb achten die meisten Akteure im Finanzmarkt zunehmend auf unsere Nachhaltigkeitsleistung. Denn das reduziert Risiken. NGOs wollen natürlich, dass wir in Sachen Nachhaltigkeit schneller und besser werden – permanent. Das ist gut. Meiner Meinung nach muss jede Unternehmensführung herausgefordert werden. Niemand sollte sich in der Komfortzone befinden, insbesondere heute nicht. Deshalb begrüße ich es, wenn NGOs uns antreiben, weiter, größer und besser zu denken.