Die Zukunft: Software as Medical Device als eigenständiges Geschäftsfeld
Der SaMD-Markt (Software as a Medical Device) wächst bis 2030 auf über 700 Milliarden US-Dollar an. Das am stärksten wachsende SaMD-Subsegment sind „AI-enabled Medtech Devices“ mit einem jährlichen Wachstum von 48 Prozent und inzwischen 950 FDA-Zulassungen. Alarmierend: Nur 27 Prozent dieser Zulassungen stammen von klassischen Medtech-Unternehmen. Der größte Anteil kommt von Start-ups oder Big Tech.
SaMD ist ein Zukunftsfeld, das die Umsatzstrukturen in der Branche verändern wird und daher bei Medtech-Unternehmen viel stärker in den strategischen Fokus rücken sollte. Dafür müssen grundlegende Voraussetzungen geschaffen werden. Sie reichen von Investitionen über die Etablierung eines eigenen Geschäftsfelds und den Software- und KI-Kompetenzaufbau in der Entwicklung bis hin zu einer Professionalisierung der Kommerzialisierung.
Partnerschaft und Ökosysteme ausbauen – aber richtig
Die exponentiell steigenden Technologieanforderungen an Medtech-Unternehmen wachsen stetig an. Ihre Produkte werden durch steigende Softwareanteile und KI immer komplexer. Im Bereich der bildgebenden Diagnostik (darunter MRT- und CT-Scanner) zum Beispiel ist die Anzahl der „Lines of Code“ auf über 15 Millionen angewachsen (von ein paar Dutzend noch vor zehn bis zwölf Jahren), um den gestiegenen Anforderungen an Bildverarbeitung, Analytik und Cloud-Konnektivität Rechnung zu tragen.
Diese steigenden Technologieanforderungen können Medtech-Unternehmen auch in den kommenden drei bis fünf Jahren nicht ohne Partnerschaften mit Start-ups und Technologieunternehmen bewältigen. In der Qualität der Zusammenarbeit mit Technologieunternehmen gibt es Nachholbedarf, beobachtet Porsche Consulting. Kollaborationen mit Start-ups können beispielsweise verbessert werden durch Akzeptanz kultureller Unterschiede und Geschwindigkeiten, klare, gemeinsame Ziele, ein stärkeres kollaboratives Mindset und besser organisierten Wissensaustausch.
4. Menschen: Der entscheidende Schlüssel zu ambitionierten Zielen
Der Personalbedarf in der Medizintechnik ist in den letzten fünf Jahren in Europa um 30 Prozent gestiegen und wird weiter steigen. Die Verfügbarkeit an Arbeitskräften wird hingegen bis 2030 um bis zu 6,9 Prozent abnehmen. Das führt zu einem Engpass mit Folgen. Insbesondere Talente mit ausgeprägten digitalen Kompetenzen sowie Fähigkeiten im Bereich Data & AI werden hart umkämpft. Aber auch kognitive Fähigkeiten wie kreatives Denken oder lebenslanges Lernen stehen ganz oben auf der Liste der „Future Skills“ des World Economic Forums.
Eine hohe Arbeitgeberattraktivität ist der Schlüssel, um Talente aus allen benötigten Fachbereichen zu finden und an das eigene Medtech-Unternehmen zu binden. Die Top-10-Arbeitgeber der Medizintechnik werden von den Absolventen der Naturwissenschaften sowie des Ingenieurwesens, beispielsweise in Deutschland, zwar als attraktiv wahrgenommen, bei den Studierenden der Wirtschaftswissenschaften und Informatik spielt die Medizintechnik aber eine untergeordnete Rolle. Bei dieser Zielgruppe sind globale Unternehmen aus den Bereichen Technologie und Automobil im Kampf um die Gunst der Fachkräfte auf den vorderen Plätzen.
Neben der Arbeitgeberattraktivität ist auch für Personalbereiche der steigende Kostendruck eine Herausforderung. Darauf muss reagiert werden, indem die Personalprozesse konsequenter digitalisiert und unternehmerische Entscheidungen – wie die Auswahl neuer Standorte – durch HR Analytics unterstützt werden. Durch die beratende Rolle bei Reorganisationen und Personalreduktionen verfügt der Personalbereich ebenfalls über einen wesentlichen Hebel für Personalstruktur und -kosten des Unternehmens. Und damit für die Wettbewerbsfähigkeit.
Für Medtech-CEOs gilt es nun, das Unternehmen für Talente richtig zu positionieren:
Purpose: Medizintechnik-Mitarbeitende tragen erheblich zur Verbesserung der Gesundheit und Lebensqualität ihrer Mitmenschen bei.
- Challenges: Medizintechnik ist eine innovative Branche, die neue Technologien im digitalen Ökosystem verbindet. Die so zusammengeführten Daten ermöglichen eine Gesundheitsrevolution, oft mithilfe Künstlicher Intelligenz. Medizintechnik bietet ein abwechslungsreiches Arbeitsumfeld mit umfassenden Entwicklungsmöglichkeiten.
- Stabilität: Die stetig wachsende Nachfrage nach Medizintechnik sorgt für Arbeitsplatzsicherheit und attraktive Gehaltspakete.
- Vielseitigkeit: Komplexe Lösungen in der Medizintechnik erfordern die enge Zusammenarbeit von Experten verschiedener Fachrichtungen und die internationale Ausrichtung sensibilisiert für interkulturelle Zusammenarbeit.
Das Fazit zum Schluss: Die Medizintechnik-Branche erfüllt alle Kriterien eines attraktiven Arbeitgebers. Die müssen herausgearbeitet werden. Für Talente, die sich bewerben, genauso wie für die Mitarbeitenden, die den Unternehmen bereits angehören.