Mit dem AI Impact Award zeichnen manager magazin und Porsche Consulting gemeinsam wirkungsvolle, praxiserprobte KI‑Lösungen in der Industrie aus. Was den Award ausmacht, wie Unternehmen das Thema KI angehen können und welche Rolle der Forschungstransfer für Europas Innovationskraft spielt, erläutert Dr. Annika von Mutius, Mitgründerin und CEO von Empion, im Kurzinterview.
Welche Bedeutung hat Künstliche Intelligenz derzeit für Unternehmen in der DACH-Region?
KI-Systeme sind eine große Chance - vorausgesetzt, sie gelangen konsequent in die Anwendung. Hierzu müssen wir uns auf unsere Kernkompetenzen fokussieren: die Verzahnung performativer KI-Systeme mit der etablierten Wirtschaft. Eine Transformation unserer erfolgreichen Geschäftsmodelle bietet insbesondere für inhaltlich anspruchsvolle Arbeit signifikante Chancen im Vergleich zu den großen Sprachmodellen aus den USA oder China. Gerade jetzt ist es entscheidend, den öffentlichen Diskurs positiv zu prägen und den gesellschaftlichen Mehrwert sichtbar zu machen. Der AI Impact Award ist hierfür ein starkes Signal: Er gibt Innovationen eine Bühne und ermutigt dazu, KI-Systeme aktiv einzusetzen.
Wie sollten Unternehmen an das Thema KI herangehen, wenn sie noch am Anfang stehen?
Unternehmen dürfen KI vor allem als Chance begreifen. KI ist keinesfalls eine Konkurrenz, sondern ein leistungsstarker Partner, der - zum Beispiel im Falle generativer Systeme - Zugang zum gesammelten Erfahrungswissen der Menschheit bietet. Doch in unserer Gesellschaft neigen wir oftmals dazu, uns zunächst auf potenzielle Risiken von Innovationen zu konzentrieren, statt ihren Beitrag zu Effizienz- und Qualitätsgewinnen in den Vordergrund zu stellen. Selbst als Mitgründerin eines KI-Unternehmens beobachte ich, dass Veränderungen durch KI Verunsicherung auslösen oder unterschätzt werden. Viele dieser Ängste lassen sich jedoch leicht adressieren. Zugleich ist die Implementierung von KI-Systemen oft einfacher als vermutet: Viele KI-Tools, insbesondere B2B-Anwendungen, arbeiten im Hintergrund und integrieren sich nahtlos in bestehende Prozesse - ohne zusätzlichen strategischen Aufwand oder Fachwissen der Belegschaft.
Worauf achten Sie als Jurymitglied beim AI Impact Award besonders?
Entscheidend ist, dass Projekte vor allem durch ihren konkreten Mehrwert im Unternehmensalltag überzeugen. Dabei gilt es zu differenzieren: Es gibt Projekte, deren Wirkung unmittelbar sichtbar wird - und solche, deren Stärke sich erst langfristig entfalten.
Im Forschungstransfer liegt ein entscheidender Hebel für Europas Innovationskraft. Erst kürzlich veröffentlichten wir eine Studie gemeinsam mit Redstone und der RWTH Aachen. Sie zeigt: Forschungstransfer könnte Europas wirtschaftliches Eigenkapital um bis zu sieben Billionen Euro steigern. Ich gründete Empion in einem klassischen Forschungstransfer und weiß aus eigener Erfahrung, wie groß die Lücke zwischen Forschung und Unternehmensgründung ist. Umso mehr beeindrucken mich Projekte, die diesen Übergang erfolgreich meistern und wissenschaftliche Erkenntnisse in realen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Mehrwert überführen.