ZF revolutioniert Fahrerassistenzsysteme mit KI

Nominiert für den AI Impact Award 2026 in der Kategorie Produkt und Kundenerlebnis 

Dr. Jan Dupuis, ZF, explaining ZF Annotate
12.03.2026 | Artikel

Der AI Impact Award von manager magazin und Porsche Consulting zeichnet Unternehmen aus, die Künstliche Intelligenz erfolgreich und wirksam in der Praxis einsetzen. Der Award macht Anwendungen sichtbar, die echten wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Mehrwert schaffen.

Der globale Technologiekonzern ZF ist für den AI Impact Award 2026 nominiert in der Kategorie Produkt und Kundenerlebnis. In dieser werden Lösungen ausgezeichnet, die dazu beitragen, das Kundenerlebnis zu verbessern und den Gewinn und Umsatz zu steigern. Im Kurzinterview erläutert Dr. Jan Dupuis, Senior Measurement Engineer ADAS bei ZF Group, vor welchen Herausforderungen das Team stand, wie der KI-gestützte Ansatz entwickelt wurde und welche Ergebnisse heute sichtbar sind.

 

Herr Dr. Dupuis, mit welchen Problemen sehen sich Automobilhersteller bei der Entwicklung von Fahrerassistenzsystemen konfrontiert – und wie ist hieraus die Idee für „ZF Annotate“ entstanden? 

Dr. Jan Dupuis: Automobilhersteller stehen bei der Entwicklung moderner Fahrerassistenzsysteme vor der zentralen Herausforderung, eine präzise, sogenannte „Ground Truth“ zu erzeugen. Also ein absolut korrektes Abbild der Fahrzeugumgebung im realen Straßenverkehr. Kameras, Radar-, Lidar- und Ultraschallsensoren liefern enorme Datenmengen aus der Umgebung. Alle Verkehrsobjekte – wie Fahrzeuge, Fußgänger, Fahrspuren oder Verkehrszeichen – müssen genau markiert, geortet, getrackt und klassifiziert werden. Diese sogenannte Referenz-Annotation wurde bislang manuell ausgeführt, war äußerst zeitintensiv, teuer und fehleranfällig. Gleichzeitig bieten herkömmliche Referenzsensorsets oft nicht die notwendige Referenzqualität. Und die enormen Datenmengen machen skalierbare Cloud‑Architekturen unverzichtbar. Um diese Probleme zu bewältigen, hat ZF die KI-gestützte, cloudbasierte Lösung „ZF Annotate“ entwickelt. Mithilfe eines zusätzlichen, unabhängigen Sensorsets generiert die Technologie hochpräzise Referenzdaten und schafft damit eine moderne Grundlage für die Validierung von Fahrerassistenzsystemen.

ZF Annotate Kamera und Sensoren auf Fahrzeuge

Mithilfe von Kameras und Sensoren werden große Datenmengen aus der Fahrzeugumgebung erfasst. Die KI-gestützte Lösung „ZF Annotate“ erstellt daraus ein hochpräzises Umfeldmodell – für eine schnellere Weiterentwicklung von Fahrerassistenzsystemen. © ZF

ZF Annotate Kamera und Sensoren auf Fahrzeuge
Mithilfe von Kameras und Sensoren werden große Datenmengen aus der Fahrzeugumgebung erfasst. Die KI-gestützte Lösung „ZF Annotate“ erstellt daraus ein hochpräzises Umfeldmodell – für eine schnellere Weiterentwicklung von Fahrerassistenzsystemen. © ZF

Als eine der führenden KI-Lösungen ist „ZF Annotate“ seit bereits drei Jahren im Einsatz und weckt zunehmend Interesse bei Automobilherstellern. Wie hilft die Technologie dabei, Messdaten besser nutzbar zu machen – und so Fahrerassistenz‑ und autonome Fahrfunktionen noch effizienter und schneller weiterzuentwickeln?

Unsere Technologie unterstützt Automobilhersteller dabei, Messdaten deutlich besser und umfassender nutzbar zu machen. Die KI erzeugt automatisiert aus den Rohdaten ein konsistentes, hochpräzises Umfeldmodell. Dabei werden alle relevanten Objekte – wie zum Beispiel Fahrzeuge, Fußgänger, Verkehrszeichen oder Fahrspurmarkierungen – zuverlässig erkannt, klassifiziert und über die Zeit hinweg getrackt. Dadurch werden Prozesse, die früher manuell erfolgen mussten und nur begrenzt skalierbar waren, reproduzierbar, stabil und qualitativ konsistent. Die cloudbasierte Architektur ermöglicht es zudem, große Mengen an Sensordaten aus den Fahrten weltweiter Testflotten über Entfernungen von mehr als hunderttausend Kilometern effizient auszuwerten. In kurzer Zeit werden so verwertbare Referenzdaten aus Testfahrten mit einer Gesamtlänge von bis zu 4.000 Kilometern pro Tag bereitgestellt. Hersteller können damit Entwicklungszyklen verkürzen, Trainingsdaten generieren und dadurch Fahrerassistenz‑ sowie autonome Systeme schneller und datenbasiert weiterentwickeln.

 

Welche messbaren Ergebnisse leistet die KI-Lösung ganz konkret, mit Blick auf Datengenauigkeit, Effizienz und Schnelligkeit? 

„ZF Annotate“ liefert nachweisbare Verbesserungen entlang zentraler Entwicklungsparameter. Zum Beispiel eine robustere Sensorkalibrierung und eine einheitliche Zeitbasis zur Synchronisierung. Durch die KI‑gestützte Objektmarkierung, die Klassifikation mit zusätzlichen notwendigen Attributen, wie etwa Größe und Geschwindigkeit, sowie 2D‑ und 3D‑Tracking‑Algorithmen, entsteht eine hochpräzise „Ground Truth“. Das heißt: alle relevanten Objekte werden positionsgenau erfasst und mit stabilen IDs über ganze Fahrszenen hinweg verfolgt. Diese Präzision war zuvor nur mit erheblichem manuellem Aufwand erreichbar. In puncto Geschwindigkeit beschleunigt die KI den Validierungsprozess um das Ein- bis zu Zehnfache. Umfassende Annotationsprojekte werden beispielsweise von zwölf auf zwei Monate verkürzt. Gleichzeitig sorgt die cloudbasierte Verarbeitung großer Datenmengen für eine deutlich höhere Effizienz. Die vollautomatisierte Analyse reduziert den Aufwand der Referenzerstellung um bis zu 80 Prozent und ermöglicht so eine schnelle Bereitstellung belastbarer Referenzdaten für die Entwicklungs‑ und Validierungsteams.

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