In welchen Zeiträumen planen Sie?
Früher haben Forscher Prototypen entwickelt, die dann in die Vorentwicklung übergeben und bewertet wurden. Davon wiederum kam ein kleiner Teil in die Serienentwicklung und dann schließlich ins Auto. Dieses strukturierte, nachvollziehbare Prinzip führt jedoch nicht zu den schnellen Innovationszyklen, die wir als modernes Automobilunternehmen brauchen. Deshalb wollen wir uns viel stärker als Innovationsunternehmer in eigener Sache verstehen: als Intrapreneure, die Innovation von der Idee bis zum Produktionsstart durchweg und mit Tempo begleiten.
Muss ein Group Innovator also erst mal die Konzernprozesse erneuern, bevor er über Innovationen nachdenkt?
Es gibt im Unternehmen bereits viele Bereiche, die nach agilen Prinzipien arbeiten. Deshalb denke ich durchaus, dass sich meistens zuerst die Idee durchsetzt und erst dann die Prozesse. Wer sich etwas traut und für ein Projekt einsteht, gewinnt häufig auch andere dafür. Dann überlegen wir gemeinsam, wie wir das umsetzen.
Wie nehmen Sie bei dieser Veränderung Ihre Mitarbeitenden mit?
Eine zukunftsfähige, also ergebnisstarke Forschungs- und Innovationsarbeit verlangt von uns, stetig in Bewegung zu bleiben. Diesen Anspruch stelle ich an mich selbst und erwarte ihn auch von meinem Team. Es bringt uns nicht voran, aus reiner Freude im Elfenbeinturm an Themen zu arbeiten, die niemals serienreif werden. Ebenso sollten wir uns nicht damit begnügen, ein Projekt einfach zu übergeben. Wer dafür brennt, muss es mitbegleiten.
Arbeiten Sie also nur an Projekten, die auch sicher beim Kunden landen?
Unternehmensgeist ist Teil unserer Team-DNA. Meine Erfahrung ist: Es lohnt sich, für die Ideen einzustehen, von denen man überzeugt ist – und nicht immer auf jedes Siegel zu warten. Aber wir wissen auch, dass nicht jeder Ansatz erfolgreich sein wird. Nach sorgfältiger Prüfung müssen wir dann eben loslassen und uns den nächsten Ideen zuwenden. Diese Flexibilität und Entschlossenheit sind entscheidend, um kontinuierlich innovativ zu bleiben.
Inwieweit spielt KI in Ihrer Arbeit eine Rolle?
Künstliche Intelligenz ist elementarer Bestandteil im Auto der Zukunft, insbesondere bei neuen Fahrerassistenzsystemen und dem autonomen Fahren. Wir nutzen KI zudem als Werkzeug. Unsere Abteilung Zukunftsforschung analysiert mit KI weltweit hunderttausende Patente und erstellt so eine detaillierte Landkarte von Forschungsschwerpunkten. Wir sehen genau: In welche Richtung bewegt sich das Interesse der Industrie, und wie beeinflusst es die Autos der Zukunft? Das bietet unseren Konzernmarken wichtige Orientierung für ihre Produktplanung.
Wie werben Sie denn eigentlich die Expertinnen und Experten für Ihr Team an?
Wir müssen uns um Bewerber nicht sorgen. Es wäre sicher wünschenswert, sich in einigen Feldern zu verstärken, aber das ist derzeit nicht einfach. Für uns stellt sich deshalb die klare Aufgabe, mit den vorhandenen Ressourcen und einem engagierten Team möglichst viel zu erreichen.
Auch Sie müssen sparen?
Ja, natürlich leisten wir auch unseren Beitrag. Die aktuelle Situation ist eine enorme Herausforderung. Es geht darum, sich aufs Wesentliche zu konzentrieren und noch enger zusammenzuarbeiten. Zur Wahrheit gehört: Das gelingt uns mittlerweile ziemlich gut.
Volkswagen ist in der Lage, an der automobilen Spitze mitzuspielen?
Davon bin ich absolut überzeugt.