Grit Schöbel, Porsche Leipzig GmbH

„Wir nehmen binnen 40 Tagen Fachleute unter Vertrag“

Gestartet im Sommer 2002 mit 300 Mitarbeitern, baut Porsche heute in Leipzig einen Großteil seiner Flotte. Für die Personalabteilung gleicht das rasante Wachstum auf 4000 Fachkräfte bis 2017 einer Herkulesaufgabe. Als die Macan-Produktion Ende 2013 anlief, war die Belegschaft binnen zwei Jahren um 470 Ingenieure und 1100 Produktionsmitarbeiter gewachsen. Eine Aufgabe, die nur mit exakten Rekrutierungsplänen zu schaffen war. „Ausgehend von der Ziellinie des Produktionsstarts haben wir einen Masterplan mit Zeitleiste, Meilensteinen und eigenen Rekrutierungs- und Qualifizierungsmethoden entwickelt“, sagt Grit Schöbel, Leiterin Personalmanagement. Leipzig holte sich damals Unterstützung von Porsche Consulting und bildete ein zehnköpfiges Projektteam. Das begann mit einer strategischen Analyse: Wer wird wann und wo benötigt? Die konzernweite Qualifizierung von Fachleuten kann schließlich bis zu zwei Jahre dauern. Die Berater ermittelten den Bedarf an Ingenieuren und Fachkräften für Karosseriebau, Lackiererei und Montage. Sie analysierten den Arbeitsmarkt anhand statistischer und demografischer Daten. So entstanden 52 Qualifikationsprofile. Die Personaler erstellten darauf ausgerichtete Qualifizierungskonzepte für jeden neuen Mitarbeiter. Ein modular aufgebautes Trainingskonzept wurde entworfen, um den individuellen Bedürfnissen gerecht zu werden.

Auch die Personalabteilung organisierte sich neu und baute ein siebenköpfiges Recruiting-Team auf, das ausschließlich den Personalaufbau betreute. Von 2011 bis 2015 erhielt Porsche in Leipzig mehr als 100.000 Bewerbungen. „Diese Menge bewältigt man nur als Mannschaftssport“, so Schöbel. Ein Schlüssel für die Personalauswahl waren 220 Bewerbertage mit jeweils sechs bis zehn Jobkandidaten. Dabei absolvierten sie fachspezifische Übungen, hielten Präsentationen, bearbeiteten Aufgaben in Teams und hatten ein Bewerbungsgespräch. Die Entscheidung, welcher Teilnehmer genommen wurde, war nach diesem Kennenlerntag schnell gefällt.

Als Beschleunigungsspur in den Job erwiesen sich vier Trainingscenter im Karosseriebau, in der Lackiererei, der Logistik und der Montage. An nachgebildeten Arbeitsplätzen in den Gewerken lernten alle neuen Mitarbeiter zu ihren Startterminen Produktionsfertigkeiten – von der korrekten Nutzung der Akkuschrauber bis zur ergonomisch besten Körperhaltung. Der Plan ging auf: Der Macan legte einen der besten Produktionsanläufe in der Geschichte des Volkswagen-Konzerns hin. Die neu entwickelten Tools bei Rekrutierung und Qualifizierung helfen dem Werk nun auch beim weiteren Wachstum, etwa bei der Erweiterung um 400 Ingenieure und 540 Werker für die nächste Generation des Panamera. Das Team ist heute in der Lage, durchschnittlich binnen 40 Tagen Fachleute unter Vertrag zu nehmen, die gut zum Unternehmen passen.